Rettungshubschrauber BO 105 C

Der orangene Rettungshubschrauber ist von 1976 bis 1995 in Kassel zu zahlreichen, lebensrettenden Einsätzen geflogen. Von den Crew-Mitgliedern kurz „DFK“ genannt, da er die Kennung „D-HDFK“ trägt, handelt es sich bei dem Helikopter um das Modell BO 105 des damaligen Herstellers Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) aus Donauwörth in Bayern, der 1974 gebaut worden ist.

Die BO 105 ist ab 1961 von Ludwig Bölkow und Emil Weiland entwickelt worden und der Erstflug fand am 16. Februar 1967 statt. Das Besondere an dieser Entwicklung war, dass der Hubschrauber mit einem neu konstruierten Rotorkopf ausgestattet war, der ohne Schlag- und Schwenkgelenke funktioniert. Dies wurde durch Rotorblätter aus glasfaserverstärktem Kunststoff möglich. Zudem wurden zwei Turbinentriebwerke als Antrieb erstmals in einem nichtmilitärischen Helikopter verbaut. Dies waren zwei Freiwellenturbinen der Rolls Royce Allison 250 C 20, mit denen das Fluggerät eine Höchstgeschwindigkeit von 270 km/h erreichen und 575 km weit fliegen konnte. Aus Gewichtsgründen sind die Antriebe heute im Museumsbetrieb ausgebaut. Die B0 105 war insgesamt ein Hubschrauber, der sich durch sein leichtes Leergewicht von 1235 kg auszeichnet sowie durch seine guten aerodynamischen Eigenschaften mit dem stabilen Rotor.

Die Kabine im Inneren bot die Möglichkeit, sowohl medizinische Ausrüstung als auch die PatientInnen liegend zu transportieren. Aus diesem Grund wurde mit dem Modell das Luftrettungsnetz in Deutschland ab den 1970er Jahren aufgebaut. Da die Zahl der Unfälle und Unfalltoten im Straßenverkehr in den 1960er Jahren drastisch anstieg und die Verletzten durch den Rettungsdienst damals nicht ausreichend schnell versorgt werden konnten, wurden in Deutschland verschiedene Versuche zur Notfallrettung mit Hubschraubern geprüft. Die Idee der Luftrettung war bereits aus Kriegszeiten bekannt. Ein erstes Beispiel ist der Deutsch-französische Krieg von 1870 bis 1871, bei dem französische Ballonfahrer Verwundete aus dem besetzten Paris ausflogen haben. Auch während des Ersten und Zweiten Weltkriegs wurden vom amerikanischen, deutschen und französischen Militär Sanitätsflugzeuge und Seenotflieger eingesetzt.

Hans-Werner Feder, ein Arzt aus Ober-Mörlen in Hessen, versorgte im Sommer 1967 mit dem Hubschrauber Brantly B-2 über 65 Verletzte bei Verkehrsunfällen in nur 20 Tagen. Erst 1970 stellte der ADAC den ersten regulären Rettungshubschrauber in München-Harlaching in Dienst. Es folgte die Einrichtung von weiteren Standorten. Heute fliegen die Rettungskräfte von ca. 87 Standorten aus. Die Besatzung besteht in der Regel aus einer Drei-Personen-Crew: PilotIn als verantwortlichen LuftfahrzeugführerIn, Notarzt oder Notärztin sowie dem Crew-Mitglied HEMS-TC (technical crew member), der sowohl als rechte Hand des Pilot/der Pilotin fliegerische Aufgaben übernimmt, als auch den Notarzt/die Notärztin bei der Versorgung von Verletzten unterstützt und die Betreuung der medizinischen Ausstattung übernimmt. Dabei ist Teamfähigkeit von allen Mitgliedern für die besonderen Anforderungen beim Lufteinsatz von elementarer Bedeutung. Die Luftrettung funktioniert als Ergänzung zum bodengebundenen Rettungsdienst, der ebenfalls zum Einsatz gerufen wird. Der wesentliche Vorteil liegt bei der Luftrettung in ihrer Schnelligkeit. So muss der Helikopter spätestens zwei Minuten nach Alarmierung in der Luft sein und kann innerhalb von zehn Minuten einen Radius von 50 km abdecken, während der Rettungswagen auf 15 km begrenzt ist. Auf diese Weise können Notarzt oder Notärztin und medizinische Ausrüstung auf schnellstem Weg zum Patienten und zur Patientin gebracht werden. Dies ist besonders in ländlich strukturierten Gebieten entscheidend. Zudem steigt die Auswahl der Zielkrankenhäuser, zu denen die Verletzten in kürzester Zeit gebracht werden können. Allerdings sind Hubschrauber aus Gefahrengründen in unbekanntem Gebiet nicht in der Nacht einsetzbar, ihre Verfügbarkeit ist wetterabhängig und die Behandlungs- wie Lagerungsmöglichkeiten sind teilweise eingeschränkt.

Alle Rettungshubschrauber in Deutschland tragen als Kennung den Funknamen „Christoph“ mit einer Nummer oder einem Städtenamen. Diese dient zur Identifikation der Funkstelle. Wenn dem Namen eine Nummer hinzugefügt wird, handelt es sich um einen Rettungstransporthubschrauber (RTH). Sie werden von Sonnenaufgang bis -Untergang eingesetzt. Hubschrauber mit Städtenamen sind sogenannte Intensiv-Rettungstransporthubschrauber (IRTH). Sie fliegen auch nachts, sofern es die äußeren Bedingungen zulassen. Am 17. Dezember 1974 wurde als zweiter hessischer Rettungshubschrauber der „Christoph 9“ in Kassel in Dienst gestellt. Diese Kennung entsprach der damals üblichen Benennung der Hubschrauber mit einer fortlaufenden Nummer gemäß ihrer Anschaffung. Bereits im Frühjahr 1975 erfolgte die Umbenennung in „Christoph 7“, da Kassel bundesweit das siebte Luftrettungszentrum im Einsatz war. Seitdem fliegen alle Rettungshubschrauber in Kassel unter dem Namen „Christoph 7“.

Mitte der 90er Jahre wurde die BO 105 gegen eine Maschine mit einer längeren Kabine ausgetauscht, wodurch mehr Platz für die Versorgung und Behandlung der PatientInnen während des Flugs zur Verfügung. Die D-HDFK ging zurück an den Hersteller, wo sie als Trainingsgerät für angehende HubschraubermechanikerInnen genutzt wurde. Der Förderverein „Christoph 7“ rettete ihn anschließend vor der Verschrottung und ehemalige wie aktive PilotInnen, LuftfahrzeugtechnikerInnen, NotärztInnen, RettungsassistentInnen sowie Vereinsmitglieder haben den stark beanspruchten Hubschrauber für museale Zwecke restauriert. Die kleinen Beulen und Macken durch den Flugbetrieb sind weiterhin sichtbar. Mit Unterstützung durch das Rot-Kreuz-Krankenhaus (heute Helios Klink) in Kassel konnte die Maschine im Inneren wieder mit medizinischen Geräten aus der aktiven Flugzeit eingerichtet werden. Dieser authentische Eindruck erweckt bei Gästen das Gefühl, dass der Hubschrauber sofort zum nächsten Rettungseinsatz starten könnte. Beim Hessentag 2013 wurde der restaurierte Christoph 7 der Öffentlichkeit vorgestellt. Anschließend kam er als Exponat in das Technik-Museum, um die Geschichte der Luftrettung in Kassel öffentlich zugänglich zu machen.

Mit freundlicher Unterstützung vom Förderverein "Christoph 7".

Christoph 7 wird zu einem Verkehrsunfall auf der Harleshäuser Straße in Kassel gerufen (1977) Fotos: Volker Credé  
   
 Die medizinische Ausstattung der BO 105 ist aufgrund der Innenraumgröße eingeschränkt.  Das Team von Air Lloyd bei Reparaturarbeiten am Museumsobjekt.

Literatur- und Quellenverzeichnis:

https://www.tmkkassel.de/index.php/sammlungsgebiete/feuer-loesch-und-rettungswesen/83-rettungshubschrauber

https://www.christoph7-verein.de/f%C3%B6rderverein/historische-bo-105c/

https://www.christoph-1.de/geschichte/

http://www.bayerische-flugzeug-historiker-ev.de/bayflughist/projekte/2010_sar_luftrettung/bfh_sar_wk2_see.html

Scholl, Holger: Handbuch Luftrettung. Organisation, Einsatz, Taktik und Technik. 2., überarb. Aufl. Edewecht 2018.

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