Sammlungsgebiet Dampftechnik

Für Kassel, dessen Entwicklung zur Zeit der Landgrafen im 18. Jahrhundert und nach den napoleonischen Kriegen sowie besonders in der Zeit ab 1848, hatte die Technik unter Nutzung des Wasserdampfes eine hohe geschichtliche und wirtschaftliche Bedeutung. Zu nennen sind hier Denis Papin in Diensten des Landgrafen Karl (um 1700), Carl Anton Henschel mit der ersten für die Friedrich-Wilhelms-Nordbahn gebauten Lokomotive "Drache" (1848) und Wilhelm Schmidt, dem Konstrukteur des Schmidt´schen Überhitzers zur Erhöhung des Wirkungsgrades bei thermodynamischen Prozessen.

Hier stellen wir eine ganze Reihe von Exponaten vor, wie u. a. den teilweisen Nachbau eines Schmidt´schen Überhitzers aus Original-Teilen eines Bahnbetriebswerks oder auch einen Spaltgaskühler zur Ethylenherstellung, der einige Jahrzehnte in einer Raffinerie seinen Dienst versah, durch einen neuen ersetzt wurde und dann, bestens aufgearbeitet, den Weg zu uns fand.

Der Schmidt´sche Rauchrohrüberhitzer im Lokomotivbetrieb

Mit Heißdampf an die Weltspitze – so lautet der Titel eines Buches, welches die Kasseler ALSTOM Power Energy Recovery GmbH, heute die ARVOS GmbH Schmidtsche Schack, aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums der 1910 gegründeten Schmidt´schen Heissdampfgesellschaft mbH herausgab. Inhalt des Buches ist die Lebens- und Wirkungsgeschichte des damaligen Firmengründers Wilhelm Schmidt sowie des Unternehmens über diese 100 Jahre. Herausgreifen und mit weiteren Zeitzeugnissen verbinden soll dieser Artikel anhand des oben abgebildeten TMK-Exponats die Bedeutung der Dampfüberhitzung für die Lokomotiventwicklung.

Vor der Vorstellung dieses, die Wirkung des Wasserdampfes optimierenden Objekts des Monats zunächst ein – über mehr als drei Jahrhunderte zurückgehender – kurzer Blick in die Zeit unseres Kasseler Landgrafen Karl im 17./18. Jahrhundert und damit der Bedeutung für die regionale Technikgeschichte. Karl berief nach Aufhebung des Ediktes von Nantes (Religionsfreiheit in Frankreich) durch den katholischen König Ludwig XIV. den hugenottischen Mediziner, Physiker und Erfinder Denis Papin 1687 als Professor an die Universität Marburg.

Papin (s. Bild links bzw. oben, *1) stellte Landgraf Karl – nach seinen vorangegangenen Entwicklungen in Paris und London (u. a. der 1681 patentierte Papin´sche Dampfdruck-Kochtopf) – in 1690 eine aus einem beheizten, mit wenig Wasser befüllten Zylinder und beweglichem Kolben konstruierte "Dampfmaschine" vor. Der im Zylinder entstehende Druck des Wasserdampfs hob den Kolben an, dieser diente zur Hebung von zu pumpendem Wasser und stellte damit eine erste funktionierende Wärmekraftmaschine dar. Papin schwebte in der Folgezeit der Einsatz seiner Maschine u. a. in Bergwerken zur Abförderung von eindringendem Wasser vor, er scheiterte jedoch an der damals für diese Arbeit noch nicht möglichen Herstellung ausreichend großer Zylinder und Kolben sowie deren Abdichtung gegen das jeweils andere Medium (Wasser / Dampf / Außenluft). Ob weiterhin in Kassel in 1722 eine Pumpmaschine durch den österreichischen Freiherr Fischer von Erlach installiert wurde, ist nicht sicher überliefert. Diese zog nach Überlieferungen den Kolben nach Wassereinspritzung durch Unterdruck des kondensierten Wasserdampfs im Zylinder an und arbeitete nach dem atmosphärischen Prinzip des Engländers Thomas Newcomen. Beide mit Wasserdampf betriebenen Systeme bezeugen damit, dass Wasserdampf und damit ausgestattete Maschinen in der Residenzstadt Cassel und der Zeit danach eine sehr lange Tradition haben.

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Die AEG-Hilfs-Dampfturbine aus dem Lossewerk

AEG-Hilfs-Dampfturbine zur Speisewasserförderung bei Ausfall eines elektrischen Antriebs 

Ein Dampferzeuger, gleich ob als stationärer Dampfkessel oder als selbst fahrende Dampflokomotive, muss nach dem Anheizen und beginnendem Dampfverbrauch ständig mit Speisewasser versorgt werden, da ansonsten bei weiterer Brennstoffzufuhr die Gefahr einer Überhitzung bis hin zur Zerstörung führen kann. In Kraftwerken werden hierfür meist Kreiselpumpen verwendet, die mittels Elektromotoren angetrieben werden. Aus Redundanzgründen werden diese üblicherweise doppelt ausgeführt, wobei die Leistung einer Pumpe ausreichend ist und die zweite in Reserve gehalten wird, z. B. für Wartungsarbeiten oder Störungen an einer der beiden. Aber auch ein Motor oder eine Schaltanlage können ausfallen, wie in der Elektrizitätsversorgung gilt hier zumeist die (n-1)-Regel: Bei Ausfall eines Elements und/oder einer ganzen Einheit kann die Gesamtanlage weiterbetrieben werden, ggf. mit einer kurzen Unterbrechung. Und dafür kann anstelle eines Elektromotors auch eine Hilfsturbine benutzt werden, denn Dampf steht ja zur Verfügung und der Dampferzeuger muss weiter mit Speisewasser bis zum Herunterfahren versorgt werden.

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Dampfmaschine Lady Agnes

Die im TMK ausgestellte Dampfmaschine, vom Eigentümer liebevoll Lady Agnes getauft, wurde 1897 von der Theodor Wiede´s Maschinenfabrik AG in Chemnitz gebaut.  Bis 1934 wurde Lady Agnes in einer kleinen Brauerei in Leipzig eingesetzt. Danach verschlug es sie, ebenfalls an eine Brauerei, nach England. Dort war sie täglich bis 1978 im Einsatz. Anschließend kam sie nach Holland, wo sie, bei Bedarf, bis 1982 in einer Spirituosen-Fabrik, eingesetzt wurde.

Baujahr 1897  
Hersteller Theordor Wiede´s Maschinenfabrik AG Chemnitz
Gewicht 3400 kg  
Länge 3000 mm  
Breite 2100 mm  
Schwungrd- Durchmesser 1700 mm  
max. Drehzahl 250 U/min  
Kolbenhub 340 mm  
Kolbendurchmesser 200 mm  
Dampfdruck 10 bar  
Leistung 55 PS  



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